Innovativer Shop für Médecins sans Frontières

07.06.2020

Wer im E-Shop «Pandinavia für Médecins Sans Frontières» einen Artikel bestellt, unterstützt die Organisation gleich doppelt. Denn durch den Kauf wird er zum Botschafter des Hilfswerks; und gleichzeitig spendet Pandinavia einen Teil des Verkaufspreises. Wie kam es zu dieser innovativen Konstellation?

Nachdem man bei MSF festgestellt hatte, dass vor allem jüngere Personen ihr Engagement auch zeigen möchten, entstand die Idee eines Webshops. Bei einer Recherche stiess man auf Pandinavia. «Das war ein One-Stop-Angebot», berichtet Julien Rey von MSF. «Pandinavia produziert die Produkte, betreut den E-Shop, kümmert sich um das Lager und die Auslieferungen. Ausserdem waren sie bereit, das Risiko mitzutragen. Und schliesslich war das Projekt für uns mit geringen Investitionen verbunden. So ein Angebot findet man sonst nicht», zeigt sich Rey begeistert.

Ein Babybody

Im Dezember 2014, lediglich ein Jahr nach dem ersten Kontakt, ist der
E-Shop aufgeschaltet worden. «Pandinavia hat uns bei der Wahl der Produkte beraten», erzählt Rey weiter. Einiges ist klassisch, das Victorinox-Sackmesser etwa darf ebenso wenig fehlen wie Kugelschreiber. Es gibt aber auch Überraschendes wie etwa ein Babybody. «Und genau der war das erste, was bestellt worden ist», sagt Rey lachend. Ältere Spender, die etwa einem Enkel etwas schenken wollen, seien durchaus eine Zielgruppe. Man wolle aber alle ansprechen, die sich mit den Zielen von MSF identifizieren: Junge, die ihr Engagement dokumentieren wollen, Firmen, die an einem Imagetransfer interessiert sind, oder eigene Mitarbeiter, die Farbe tragen wollen. «Und selbstverständlich auch unsere Expats. Frauen in muslimischen Ländern etwa brauchen typischerweise T-Shirts mit langen Ärmeln.»

Botschafter auf der Strasse

Der Umsatz stehe dabei überhaupt nicht im Vordergrund, sagt Rey. Vielmehr gehe es um Visibility, darum, dass sich Menschen mit MSF identifizieren, dass sie zu Botschaftern werden. Wichtig sei, dass die Produktion der Artikel den MSF-Vorstellungen entspreche. «Wir stehen für moralische Werte, die natürlich auch hier zur Anwendung kommen müssen.» Ausserdem lege man Wert auf Transparenz: «Wenn ein Kunde etwas bestellt, sieht er, welchen Teil Pandinavia an uns weiterleitet, und auch, dass wir seine Koordinaten erhalten.»

Echte Partnerschaft

«Die Zusammenarbeit hat sich bereits bestens bewährt, wir sind wirklich Partner geworden», sagt Rey. «Man spürt, dass das Projekt ein persönliches Anliegen von Fabian Hugelshofer ist.» Und natürlich habe es ihn auch sehr gefreut, dass Pandinavia inzwischen selbst eine Spende getätigt hat, «und zwar eine namhafte!»

Ohne Grenze

Die 1971 in Paris gegründete Organisation ist heute weltweit tätig und erhielt 1999 den Friedensnobelpreis. MSF Schweiz wurde 1981 gegründet und beschäftigt derzeit knapp 200 Angestellte. Weitere 4000 Personen, so genannte Expats, sind in über 20 Ländern im Einsatz. MSF Schweiz verfügt über ein operationelles Budget von rund 160 Millionen Schweizer Franken. Genf ist zugleich der internationale Sitz der Organisation und eines von fünf operationellen Zentren.

Aus der MSF-Charta

MSF hilft Menschen in Not, Opfern von natürlich verursachten oder von Menschen geschaffenen Katastrophen sowie von bewaffneten Konflikten, ohne Diskriminierung und ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, religiösen, philosophischen oder politischen Überzeugung. Im Namen der universellen medizinischen Ethik und des Rechts auf humanitäre Hilfe arbeitet MSF neutral und unparteiisch und fordert völlige und ungehinderte Freiheit bei der Ausübung ihrer Tätigkeit.

«Wir sind echt unabhängig»

Ein Interview mit Laurent Sauveur,
Communications and Fundraising Director von Médecins Sans Frontières Schweiz.

Inwiefern unterscheidet sich MSF von anderen Hilfswerken?
MSF ist einmalig in seiner Kombination von konkretem Handeln und dem medialen Druck, den wir erzeugen: Wir leisten medizinische Notversorgung, aber wir reden auch über die Situation der Bevölkerung in Krisengebieten.

Wie finanziert sich MSF?
Zum grössten Teil über Spenden. Weniger als 20% unserer Mittel erhalten wir von Regierungen oder regierungsnahen Organisationen, Stiftungen oder Kommissionen. Das macht uns echt unabhängig und wir können deshalb auch da agieren, wo andere Organisationen zurückgewiesen werden. Konfliktparteien etwa befürchten oft, dass bei den Hilfswerken noch fremde Regierungsinteressen im Spiel sind.

Wie generieren Sie denn diese Spenden?
Wir verfolgen eine doppelte Strategie. In der Schweiz hatten wir 2013 insgesamt 213 797 Gönner, davon etwa 10 000, die grössere Summen spenden. Dabei handelt es sich um Private, Stiftungen, Legate und Firmen. Wir gehen die betreffenden Personen direkt und persönlich an. Die breitere Masse hingegen versuchen wir mit Mailings und E-Mailings sowie mit Fundraising per Telefon und auf der Strasse zu erreichen.

Darf man eine Zahl wissen?
2013 haben wir beispielsweise 176 Mio. Franken Spenden erhalten. Auch 2014 war die Zahl sehr hoch. Es gab aber auch eine Rekordzahl von Einsätzen, nicht zuletzt natürlich wegen Ebola.

Wie denken Sie persönlich über den E-Shop?
Es ist ein tolles Werkzeug und eine tolle Partnerschaft: MSF liefert die «Marke» mit ihren Werten, Pandinavia liefert das Know-how. Jetzt wird es darum gehen, den E-Shop bekannt zu machen. Es ist der Beginn einer schönen Geschichte, die mithelfen wird, MSF noch präsenter werden zu lassen.

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